Aktuell: FortiBleed – Massive Angriffswelle
FortiBleed: Massive Angriffswelle gefährdet zehntausende Fortinet-Firewalls weltweit
Sicherheitsforscher deckten eine der bislang größten dokumentierten Kompromittierungskampagnen gegen Netzwerk-Infrastruktur auf. Unter dem Namen FortiBleed läuft eine koordinierte, hochautomatisierte Angriffswelle, die Fortinet FortiGate-Firewalls und SSL-VPN-Gateways weltweit ins Visier nimmt.
Was steckt hinter FortiBleed?
Ein Sicherheitsforscher stieß Anfang Juni 2026 auf eine ungewöhnlich aufgebaute Datensammlung. Nach genauerer Untersuchung erwies sie sich als Bestand gestohlener Anmeldedaten für Fortinet-Firewalls und VPN-Gateways. Das Sicherheitsunternehmen SOCRadar entdeckte dabei nicht nur eine Liste gestohlener Passwörter, sondern die gesamte Angriffsinfrastruktur: die Werkzeuge, die Automatisierung und die Opferliste. Security-InsiderSOCRadar
Die Angreifer haben systematisch Konfigurationsdateien von internetexponierten FortiGate-Geräten ausgelesen und die darin enthaltenen Passwort-Hashes geknackt – mit dem Ergebnis verifizierter, funktionierender Administratoren-Zugangsdaten für zwischen 30.000 und 75.000 Geräte in 194 Ländern. Arctic Wolf
Wie funktioniert der Angriff?
Die Angreifer scannen das Internet systematisch nach Fortinet-Geräten, testen bekannte Passwörter und protokollieren jeden erfolgreichen Login. Einmal kompromittiert, nutzen sie die Firewall als Lauschposten, um den durchfließenden SSL-VPN-Datenverkehr abzugreifen und weitere Zugangsdaten zu sammeln. Diese fließen dann zurück in den Scanner – das System speist sich selbst. SOCRadar
Eine russischsprachige Gruppe setzte dabei rund 1,16 Milliarden Anmeldeversuche und einen Cluster aus 45 Grafikprozessoren ein, um die Passwort-Hashes zu knacken. BornCity
Der technische Grund für den Erfolg der Angreifer: Fortinet stellte zwar Anfang 2025 auf das sicherere PBKDF2-Hashing-Verfahren um, doch dieser Schutz greift nur, wenn Administratoren sich nach dem Firmware-Update aktiv eingeloggt haben. Viele Geräte speicherten die Zugangsdaten daher weiterhin im älteren, anfälligeren SHA-256-Format – leichte Beute für Offline-Brute-Force-Angriffe. InfoStealers
Welche Gefahr droht betroffenen Unternehmen?
Die eigentliche Gefahr liegt nicht im einzelnen geleakten Passwort, sondern in der Position der betroffenen Geräte. Eine Firewall sitzt am Netzwerkperimeter – gültige Administrator-Zugangsdaten geben Angreifern direkten Zugriff auf interne Systeme, VPN-Tunnel und sensible Daten. Mit Administratorrechten lassen sich Firewall-Regeln verändern, neue VPN-Konten anlegen und der Datenverkehr umleiten. Von dort bewegen sich Angreifer über Lateral Movement seitlich ins Netzwerk, exfiltrieren Daten oder bringen Ransomware aus. Sophos
Besonders alarmierend: Die Angreifer führen strukturierte Datenbanken mit bereits validierten Logins, sortiert nach Ländern, Branchen und sogar dem geschätzten Unternehmensumsatz – ein klares Zeichen für die Vorbereitung gezielter, gewinnorientierter Folgeattacken. IOK GmbH & Co. KG
Was sollten Unternehmen jetzt tun?
Fortinet empfiehlt, alle Admin- und VPN-Sitzungen sofort zu beenden und Zugangsdaten zurückzusetzen, Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) zu aktivieren, auf aktuelle FortiOS-Versionen zu aktualisieren sowie Logs auf unbekannte Administrator-Zugriffe, Lateral Movement und verdächtige Kontoaktivitäten zu prüfen. The Hacker News
Darüber hinaus sollten Weboberflächen und SSH-Zugänge zur Firewall-Verwaltung niemals offen aus dem Internet erreichbar sein. Der administrative Zugriff sollte auf vertrauenswürdige, interne Netzwerke beschränkt oder über ein dediziertes, abgesichertes Management-VPN abgewickelt werden. IOK GmbH & Co. KG
Warum unsere Fortinet Kunden nicht betroffen sind?
Kunden von Oberberg-Online, die einen aktiven und gültigen Servicevertrag für Ihre Fortinet-Devices mit uns haben, erhalten regelmäßig Updates Ihrer Systeme proaktiv eingespielt. Von daher wurden diese Geräte schon vor längerer Zeit aktualisiert und sind nicht betroffen.
Zudem werden die Management-Interfaces bei ausschließlich durch uns verwalteten Appliances nicht öffentlich aus dem Internet erreicht.
Sie betreiben Fortinet-Systeme und sind unsicher, ob Ihr Unternehmen betroffen ist? Sprechen Sie uns an – als Ihr IT-Systemhaus im Bergischen Land unterstützen wir Sie bei der Überprüfung, Absicherung und bei Bedarf auch bei der Incident Response.
02261 9155050 oder vertrieb@oberberg.net
Quellen: SOCRadar, Arctic Wolf, Hudson Rock, The Hacker News, CERT.at (Stand: Juni 2026); Titelbild KI-generiert



